Bürgerbefragung




 

Auf Initiative von Bürgermeister Markus Boucsein wurde im Zeitraum vom 07. April bis 21. Mai 2017 eine online Bürgerbefragung mit dem kostenlosen Tool „Umfrage Online“ der -enuvo GmbH- aus Zürich durchgeführt.

Um die Befragung auch für Interessierte ohne Internetzugang zugänglich machen zu können, wurden die Fragebögen zusätzlich in ausgedruckter (analoger) Form öffentlich ausgelegt.

Die Bekanntmachung der Befragung erfolgte über die HNA, die städtische Homepage www.melsungen.de, die städtische Facebook-Seite „Bartenwetzerheimat“, Plakate und Flyer.

Der MB-Media Verlag mit seinen drei Produkten HeimatNachrichten, ExtraTipp und lokalo24 wurde von der Stadt parallel informiert, berichtete aber nicht über das Projekt.

Insgesamt gingen bis zum 21. Mai 898 Fragebögen im Rathaus ein (794 online + 104 analog).

 

sozioökonomische Fragestellungen

 

Während 22 % der an der Befragung Beteiligten der jüngsten Alterskohorte von 18-29 Jahren angehören, sind 67,3 % der Beteiligten aus der mittleren Alterskohorte von 30-64 Jahren und 10,7 % der Beteiligten sind 65 Jahre und älter.

Entgegen unserer eigentlichen Erwartung haben sich an dieser zeitgemäßen Form der online-Befragung nur sehr wenige Melsunger aus der jüngeren Alterskohorte beteiligt.

Die Melsunger Geschlechterverteilung von 49 % männlichen und 51 % weiblichen Mitbürgern findet sich in der Befragung mit 45,5 % männlichen Teilnehmern und 54,5 % weiblichen Teilnehmern in etwa exakt widergespiegelt wieder.

Auch die tatsächliche Einwohnerverteilung von 71 % direkt in Melsungen lebenden und 29 % in den sieben Ortsteilen, spiegelt sich mit 76,6 % zu 23,4 % ziemlich exakt in der Befragung wider.

 

Zur Befragung

 

Zu Fragenblock 1 / Meine Stadt, mein Stadtteil
Melsungen ist für mich...

Mit einer Durchschnittsbewertung von 1,93 auf der Skala von 1 (Stimme voll und ganz zu) bis 5 (Stimme überhaupt nicht zu) wird Melsungen von den Befragten zu allererst als seniorenfreundlich eingeschätzt.

14 % der Befragten können hierzu speziell allerdings keine Beurteilung abgeben.

Die nächst besten Bewertungen bekommt Melsungen von den Befragten mit 2,27 und 2,28 für die beiden Attribute traditionell und sympathisch.

 

Mit einer Durchschnittsbewertung von 3,17 wird Melsungen von den Befragten nur be-dingt als fortschrittlich/dynamisch eingeschätzt.

Die schlechteste Bewertung gibt es mit 3,47 für die Einschätzung jugendfreundlich

Hier trauen sich auch nur 8,7 % der Befragten keine Beurteilung zu.

 

1.2 Alles in allem…

Hier bekommt die Aussage „…sollte Melsungen besonders für Kinder, Jugendliche und ihre Familien attraktiv sein“ mit einer Durchschnittsbewertung von 1,49 auf der Skala von 1 (Stimme voll und ganz zu) bis 5 (Stimme überhaupt nicht zu) die mit Abstand beste Bewertung, wobei die Betonung hier natürlich auf dem Wort „sollte“ liegt und uns eine hohe Bewertung/Einschätzung dieses Themenaspektes von den Befragten genau das Gegenteil zur aktuell vorgefundenen Situation vor Ort aufzeigen will.

 

Zu Fragenblock 2 / Wohnen und Leben
2.1 Bewertung der Wohnsituation/Wohnangebot

Während die Befragten mit einer Durchschnittsbewertung von 1,87 auf der Skala von 1 (trifft voll und ganz zu) bis 5 (trifft gar nicht zu) das Wohnungsangebot für Senioren als ausreichend einschätzen (27,8 % der Befragten können dieses allerdings nicht beurteilen), wird das Wohnungsangebot für Alleinstehende mit 3,23 und das Wohn-ungsangebot für Familien mit 3,36 am negativsten beurteilt.

Hier können allerdings 40,5 %, bzw. 32,8 % der Befragten keinerlei persönliche Ein-schätzung zu diesen beiden Bevölkerungsgruppen abgeben.

 

2.2 Wohnen im Alter 

Bei dieser Fragestellung ist keine eindeutige Präferenz der Befragten für eines der vier abgefragten Modelle zu erkennen.

Alle bekommen eine hohe Bewertung zwischen minimal 63 % der Befragten, die sich für später ein Mehr-Generationen-Wohnen sehr gut vorstellen können, bis hin zu maximal 77 %, die eher eine bedarfsgerechte Tagespflege präferieren würden. 

 

Zu Fragenblock 3 / Versorgung
3.1 Grad der Zufriedenheit mit dem Angebot für…

Auch bei diesem Fragenblock ist es wieder sehr offensichtlich, dass das seniorenge-rechte Wohnen mit einer Durchschnittsbewertung von 1,86 auf der Skala von 1 (zufrieden) bis 5 (unzufrieden) von den Befragten die beste Durchschnittsbewertung er-hält.

Mit 48 % kann hierzu allerdings auch nahezu die Hälfte der Befragten keinerlei Ein-schätzung abgeben!

 

Die schlechteste Durchschnittsbewertung bekommt mit 3,41 das Angebot für Kinder und Jugendliche. Auch die Qualität der Spielplätze wird mit 3,27 nur als eher durch-schnittlich eingeschätzt.

Zu diesen Punkten können allerdings auch jeweils 13,2 %, bzw. 26,1 % der Befragten keine Einschätzung abgeben.

 

3.2 Einschätzung zur Zukunftsfähigkeit der momentanen Versorgungslage

Während 90,3 % der Befragten die Versorgung mit Geldautomaten und Banken in Melsungen als überaus zukunftsfähig einstufen (Ja / Nein-Frage), sehen 60,6 % Melsungen in Bezug auf die Ausstattung mit Gaststätten und Kneipen, bzw. sogar 69,2 % in Bezug auf die vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten für Gebrauchsgüter als nicht annähernd zukunftsfähig aufgestellt an.

 

Zu Fragenblock 4 / Verkehr und Erreichbarkeit
4.1 Einschätzung der Verkehrssituation

Die beste Durchschnittsbewertung mit 1,88 auf der Skala von 1 (Stimme voll und ganz zu) bis 5 (Stimme überhaupt nicht zu) bekommt die Aussage, dass die Fußgängerzone gut erreichbar sei. Hier findet allerdings keine weitere Abfrage nach dem mit dieser Aussage am ehesten verknüpften/favorisierten Fortbewegungsmittel statt.

Auch das Fußwegenetz und die allgemeine Verkehrsanbindung der Stadt werden mit 2,16 überwiegend positiv eingeschätzt.

Die schlechteste Durchschnittsbewertung bekommt mit 3,17 die Anzahl der im Stadtgebiet vorhandenen Parkplätze.

 

Zu Fragenblock 5 / Handel und Wirtschaft
5.1 Zufriedenheit mit dem Angebot an Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten

Hier gibt es von den Befragten für alle abgefragten Kategorien nur durchschnittliche Bewertungen.

Die beste Bewertung bekommt mit 2,75 auf der Skala von 1 (zufrieden) bis 5 (unzufrieden) noch die ganz allgemeine Einschätzung zur Zufriedenheit, während das Warenangebot durchschnittlich mit 3,02 bewertet wird.

 

5.2 Beurteilung von Aussagen zu Handel und Handwerk

Die höchste Bewertung mit durchschnittlich 1,87 auf der Skala von 1 (trifft voll und ganz zu) bis 5 (trifft gar nicht zu) bekommt von den Befragten die Aussage, dass man Hand-werker und Unternehmen aus Melsungen bevorzuge.

 

Während die Bewertungen 2,89 und 3,01 für die Aussagen „kaufe Gebrauchsgüter möglichst in Melsungen“, bzw. „kaufe Gebrauchsgüter hauptsächlich im Internet“ die Zerrissenheit der Befragten in Bezug auf die mittlerweile hohe Relevanz und Akzeptanz des Online-Handels und zunehmende Bedrängung des stationären Handels verdeut-lichen, erstaunt hier die ja mit 3,3 eher sehr erfreuliche, ablehnende Beurteilung zum Einkauf der Gebrauchsgüter hauptsächlich in Nachbarkommunen.

 

5.3 Welche Branchen fehlen Ihnen?

(Offene Frage mit 381 Antwortenden)

Hier gibt es bei den Antworten keine eindeutige Tendenz, es können aber Oberbegriffe definiert werden.

Die häufigsten Nennungen entfallen auf Kaufhaus/Haushaltswaren, gefolgt von Gastro-nomie/Kino, Bekleidung/Schuhe und Lebensmittel/Gemüse.

 

5.4 Beurteilung der Potenziale für Neuansiedlungen

Hier gibt es mit jeweils deutlich um die 50 % Zustimmung ein deutliches Stimmungsbild der Befragten für den kleinteiligen innerstädtischen Handel und/oder ein weiteres Einkaufszentrum in der Kernstadt.

Nur 21,5 % würden ein weiteres Einkaufszentrum auf der sog. „grünen Wiese“ präferieren.

 

Zu Fragenblock 6 / Angebote der Stadt
6.1 Häufigkeit der Nutzung von Einrichtungen…

Das städtische Frei- und Hallenbad wird mit 2,06 auf der Skala von 1 (Häufig) bis 4 (Nie) von den Befragten am häufigsten besucht, gefolgt von  Sportvereinen und Sporthallen mit 2,57, bzw. 2,77.

 

Die Familienförderung mit 3,5, die Skateranlage am Sand mit 3,53 und die Jugendbetreuung allgemein werden mit 3,56 am seltensten in Anspruch genommen.

Bei der Familienförderung gaben allerdings auch 15,6 % der Befragten an, diese nicht zu kennen.

Ähnlich verhält es sich mit den Angeboten im Rahmen der Jugendbetreuung, die 11,5 % der Befragten als nicht zu kennen angeben.

 

6.2 Bewertung des Zustandes von Einrichtungen…

Die beste Durchschnittsbewertung mit 1,21 auf der Skala von 1 (Ist in einem guten Zustand) bis 4 (Sollte umfassend erneuert werden) bekommt die Stadtbücherei von den Befragten.

Allerdings geben hier auch 53,3 % der Befragten an, den Zustand der Stadtbücherei  nicht beurteilen zu können.

Sehr gut bewertet werden auch das Frei- und Hallenbad mit 1,44 und die Grillhütten mit 1,79, wobei diese wiederum von der deutlichen Mehrzahl der Befragten (55 %) über-haupt nicht beurteilt werden können.

 

Am schlechtesten bewertet wird von den Befragten der Zustand der Stadthalle mit 3,09.

Auch die Zustände rund um die Skateranlage am Sand mit 2,43 und die Spielplätze im Allgemeinen mit 2,32 werden eher kritisch gesehen, wobei sich auch hier wieder 51 %, bzw. 38,6 % keinerlei Beurteilung zutrauen.

 

Zu Fragenblock 7 / Infrastruktur und Freizeit
7.1 Beurteilung von Aussagen…

Die beste Durchschnittsbewertung mit 2,0 auf der Skala von 1 (trifft voll und ganz zu) bis 5 (trifft gar nicht zu) bekommt das Angebot an kirchlichen Veranstaltungen von den Befragten.

Allerdings können sich hierzu auch 43,3 % aller Befragten keine Beurteilung erlauben.

Wie schon bei der Beurteilung der Sporthallen und Sportvereine unter 6.1, schneiden auch hier das Vereinsangebot mit 2,2 und das funktionierende Vereinsleben mit 2,28 ähnlich gut ab.

 

Die mit Abstand schlechteste Bewertung bekommt mit 3,45 die Aussage, dass es für alle Altersschichten ausreichende Freizeitmöglichkeiten gäbe.

Eher mittelmäßig beurteilt werden auch die Angebote für Kinder und die barrierefreien Angebote für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen mit jeweils 2,88 und das Kulturangebot als solches mit 2,93.

Hier ist jedoch wieder ein hoher Anteil der Befragten (23,1 % / 33,8 % / 15 %) jeweils nicht in der Lage, dieses überhaupt zu beurteilen.

 

Zu Fragenblock 8 / Wünsche
8.1 Besonderer Verbesserungsbedarf in…

94,4 % der Befragten sehen Bedarf bis hohen Bedarf im Bereich der Freizeitangebote für die Jugend.

18,6 % der Befragten können dieses nicht beurteilen.

Eher hoher Bedarf wird auch in den drei Kategorien Nahversorgung von 76,4 % der Befragten, regenerative Energien von 76 % und Naherholung von 69,4 % gesehen.

 

Den geringsten Bedarf sehen 52,5 % der Befragten im Bereich des ÖPNV.

 

8.2 Wichtigste, bzw. dringendste Verbesserung…

(Offene Frage mit 473 Antwortenden)

Hier gibt es bei den Antworten keine eindeutige Tendenz, es können aber Oberbegriffe definiert werden.

Die häufigsten Nennungen entfallen auf den ÖPNV, gefolgt von Autos raus aus der Innenstadt/Fußgängerzone, Sauberkeit und Radwege/Radwegenetz.

 

Zu Frageblock 9 / Städtische Verwaltung und Ämter
9.1 Beurteilung von Aussagen…

Die städtischen Ämter und Dienstleistungsangebote werden von den Befragten durchweg als gut bis durchschnittlich eingestuft, wobei die plakative Aussage „mit den öffentlichen Geldern wird gut gewirtschaftet“ mit der Durchschnittsbewertung 2,91 auf der Skala von 1 (trifft voll und ganz zu) bis 5 (trifft gar nicht zu) am schlechtesten bewertet wird.

36,2 % der Befragten können diese Aussage aber nicht beurteilen, was die Einschätzung der Befragten, die hierzu eine Meinung haben, wieder etwas relativiert.

 

Zu Fragenblock 10 / Ehrenamtliches Engagement
10.1 Ehrenamtliche Tätigkeit
in Verbindung mit
10.4 Warum kein Ehrenamt?

39,1 % der Befragten sind in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig.

60,9 % sind nicht ehrenamtlich tätig, wobei wiederum 65,3 % dieser Gruppe der Befragten aus reinem Zeitmangel nicht ehrenamtlich tätig sein können und nur 17,3 % keinerlei Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit haben.

 

10.5 Prinzipielles Interesse?

Hier gaben 59,5 % der Befragten ihr persönliches Interesse kund.

Letztendlich hat sich aber seitdem noch kein einziger dieser, in tatsächlichen Zahlen, 433 interessierten Befragungsteilnehmer, bei unserer Ehrenamtsagentur unter ehrenamtsagentur@melsungen.de für eine aktive Mitarbeit gemeldet, was die überaus geringe Glaubhaftigkeit solcher gesellschaftlich gerne gesehener, positiver Rückmeldun-gen auf diese Fragestellungen verdeutlicht.

 

Zu Fragenblock 11 / Zwei offene Fragen zum Abschluss
Entwicklungsschwerpunkte für Melsungen in den nächsten 10-15 Jahren…

(Offene Frage mit 260 Antwortenden)

Hier gibt es bei den Antworten keine eindeutige Tendenz, es können aber Oberbegriffe definiert werden.

Nach Meinung der Antwortenden sollte sich das Hauptaugenmerk der Melsunger Entscheidungsträger in der kommenden Dekade auf Familien und Jugendliche richten.

Auch sollte der Fokus auf innerstädtisches, bezahlbares Wohnen und den Erhalt des Fachwerks (viele analog ausgefüllte, ähnlich lautende Fragebögen wohl aus dem Dunst-kreis der „Melsunger Bürgergruppe Fachwerk“), die Verbesserung der Aufenthalts-qualität für Bürger, wie Besucher und Touristen und die allgemeine Sauberkeit zur nachhaltigen Verbesserung der Außenwirkung, gelegt werden.

 

Weitere Kommentare / Ideen / Anmerkungen

(Offene Frage mit 140 Antwortenden)

Hier gibt es bei den Antworten keine eindeutige Tendenz, es können aber Oberbegriffe definiert werden.

Die allermeisten Vorschläge beziehen sich auf das breite Themenspektrum der Angebotsverbesserung im Bereich des ÖPNV, einer Verbesserung im Bereich der Verkehrsüberwachung und der Verkehrsberuhigung  im Melsunger Innenstadtkern, gefolgt von Freizeitangeboten und gastronomischen Angeboten für junge Leute, der mangelnden Sauberkeit in der Innenstadt und auf den Grünflächen, sowie einem allgemeinen Lob für diese Befragung an sich.

 

Zum Abschluss

Die geringen Fallzahlen, z.B. exemplarisch in den aufgesplitteten drei Alterskohorten (160 x 18-29 Jahre, 490 x 30-64 Jahre & 78 x 65 Jahre und älter) oder in Bezug auf die Anzahl der Befragungsteilnehmer aus den sieben Melsunger Ortsteilen (43 x Obermelsungen, 12 x Adelshausen, 19 x Kirchhof, 8 x Kehrenbach, 18 x Günsterode, 35 x Röhrenfurth & 35 x Schwarzenberg), rechtfertigen aus statistischer Sichtweise nicht zur Berechnung von Kreuztabellen, da die Ergebnisse keinerlei statistische Signi-fikanz in Bezug zur Grundgesamtheit aufweisen würden.

 

Die detaillierte  Auswertung können Sie hier einsehen.