Einsatz für zweite Filiale geht weiter

Melsungen, April 2026 – Die Stadt Melsungen zeigt sich überrascht und zugleich besorgt über die jüngsten Entwicklungen zur zukünftigen Postversorgung im Stadtgebiet. Hintergrund ist eine offenbar kurzfristig geänderte Bewertung der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Bundesnetzagentur, in Bezug auf die Verpflichtung zur Vorhaltung einer zweiten Universaldienstfiliale durch die Deutsche Post AG.
Noch im Herbst 2025 war der Stadt Melsungen seitens der Deutschen Post mitgeteilt worden, dass ein Antrag auf Ersetzung einer klassischen Filiale durch eine automatisierte Poststation am Standort Schwalbenweg durch die Bundesnetzagentur nicht genehmigt worden sei. Damit bestand weiterhin die Verpflichtung, neben der bestehenden Filiale eine zweite, personell besetzte Universaldienstfiliale im Stadtgebiet vorzuhalten.
In enger Abstimmung mit der Deutschen Post hat die Stadt Melsungen daraufhin über Monate hinweg aktiv an Lösungen gearbeitet, um eine solche Filiale – insbesondere im südöstlichen Stadtbereich – zu realisieren. Da sich kein geeigneter Partnerbetrieb finden ließ, wurde zuletzt gemeinsam die Einrichtung einer temporären Containerfiliale im Bereich des Melsunger Schwimmbads als tragfähige Zwischenlösung vorbereitet. Hierzu fanden bereits konkrete Abstimmungen und Vor-Ort-Termine statt.
Umso überraschender ist für die Stadt nun die aktuelle Entwicklung: Nach Auskunft der Deutschen Post vom 10. April 2026 wurde die ursprüngliche Entscheidung der Bundesnetzagentur offenbar kurz vor Ostern revidiert. Demnach soll es künftig ausreichend sein, die postalische Versorgung durch automatisierte Poststationen sicherzustellen – eine zweite personell betriebene Filiale wäre damit nicht mehr erforderlich.
Bürgermeister Timo Riedemann äußert sich deutlich zu dieser Entwicklung:
„Diese kurzfristige Kehrtwende ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Noch vor wenigen Monaten wurde klar festgestellt, dass eine zweite Filiale mit Personal erforderlich ist. Auf dieser Grundlage haben wir gemeinsam mit der Deutschen Post intensiv und konstruktiv an einer Lösung gearbeitet.“
Besonders kritisch sieht die Stadt die möglichen Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger: „Eine rein automatisierte Versorgung kann aus unserer Sicht den persönlichen Service einer Filiale nicht ersetzen – insbesondere nicht für ältere Menschen oder Bürgerinnen und Bürger, die bewusst den direkten Kontakt suchen“, so Riedemann weiter.
Auch mit Blick auf die Gleichbehandlung innerhalb der Region wirft die Entwicklung Fragen auf. Während in der Nachbargemeinde Malsfeld aktuell eine eigenbetriebene Filiale durch die Deutsche Post eingerichtet wurde, droht Melsungen perspektivisch eine Reduzierung auf lediglich einen stationären Standort. „Dass in Malsfeld eine zusätzliche Filiale im Eigenbetrieb geschaffen wird, während in Melsungen eine solche Lösung offenbar nicht weiterverfolgt wird, ist für uns nicht plausibel erklärbar“, betont Riedemann.
Die Stadt Melsungen wird sich daher weiterhin mit Nachdruck für eine angemessene und bürgernahe Postversorgung einsetzen: „Wir erwarten von allen Beteiligten Transparenz und Verlässlichkeit. Ziel muss es sein, die Versorgung in einer Stadt wie Melsungen dauerhaft auf einem angemessenen Niveau sicherzustellen – dazu gehört aus unserer Sicht eindeutig mehr als nur eine Filiale und einige Automaten.“
Die Stadt steht hierzu bereits im Austausch mit der Deutschen Post und wird auch gegenüber der Bundesnetzagentur eine Klärung der aktuellen Sachlage einfordern. Abschließend stellt Bürgermeister Riedemann klar: „Wir lassen dieses Thema nicht auf sich beruhen. Die Bürgerinnen und Bürger in Melsungen haben Anspruch auf eine verlässliche und wohnortnahe Versorgung – dafür werden wir uns weiterhin mit Nachdruck einsetzen.“
Melsungen, 14.04.2026
I/8 Du
Der M a g i s t r a t
Timo Riedemann
Bürgermeister