Stadt bedauert Rückzug von Goetel und Verzögerungen in mehreren Stadtteilen

Die Stadt Melsungen und Bürgermeister Timo Riedemann bedauern die aktuellen Entwicklungen beim Glasfaserausbau in mehreren Stadtteilen der Stadt.
Nach einem erfolgreichen Markterkundungsverfahren vor rund zwei Jahren hatten sich zwei Ausbauwege abgezeichnet. Die Firma Goetel hatte angekündigt, die Stadtteile Adelshausen, Obermelsungen, Günsterode und Röhrenfurth eigenwirtschaftlich mit Glasfaser zu erschließen. Parallel dazu sollten die noch nicht versorgten Bereiche der Kernstadt, die sogenannten „grauen Flecken“, mit Unterstützung von Fördermitteln des Bundes und des Landes Hessen ausgebaut werden.
Für diese grauen Flecken erhielt die Stadt Melsungen im vergangenen Jahr eine Förderzusage in Höhe von knapp einer Million Euro. Die Fördermittel stehen weiterhin zur Verfügung und sollen für den Ausbau der bislang unterversorgten Bereiche im Außenbereich der Stadt genutzt werden.
Nun hat die Firma Goetel der Stadt mitgeteilt, dass sie den geplanten eigenwirtschaftlichen Ausbau in den Stadtteilen Adelshausen, Obermelsungen, Günsterode und Röhrenfurth nicht mehr umsetzen wird. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen künftig auf die Verdichtung seines bestehenden Netzes in den Stadtteilen Kehrenbach, Kirchhof und Schwarzenberg.
„Diese Entwicklung wirft uns beim Glasfaserausbau um Jahre zurück“, erklärt Bürgermeister Timo Riedemann. „Wir haben uns intensiv für eine flächendeckende Versorgung eingesetzt und bedauern diese Entscheidung außerordentlich.“
Die Schwierigkeiten beim Glasfaserausbau sind kein ausschließliches Melsunger Problem. Bundesweit geraten zahlreiche Ausbauprojekte ins Stocken. Steigende Kosten, veränderte Marktbedingungen und zurückhaltende Anschlussquoten führen vielerorts dazu, dass ursprünglich geplante Projekte nicht umgesetzt werden.
In den vergangenen Wochen hat die Stadt Melsungen intensive Gespräche mit den Fördermittelgebern geführt, um mögliche Alternativen zu prüfen. Dabei konnte erreicht werden, dass der Stadtteil Günsterode möglicherweise zusätzlich in das Förderprogramm für die grauen Flecken aufgenommen werden kann. Mit seinen rund 200 Adressen gilt Günsterode weiterhin als deutlich unterversorgt.
Für die Stadtteile Röhrenfurth, Obermelsungen und Adelshausen stellt sich die Situation hingegen deutlich schwieriger dar. Aufgrund der bereits vorhandenen Versorgung über das HFC-Netz (Koaxialkabelnetz) von Vodafone erfüllen diese Stadtteile derzeit nicht die Voraussetzungen für eine Förderung durch Bund und Land. Eine Förderung kann daher aktuell nicht beantragt werden.
Die Stadt Melsungen verfügt weder über die finanziellen Möglichkeiten noch über die rechtlichen und technischen Voraussetzungen, einen eigenständigen Glasfaserausbau ohne Fördermittel durchzuführen oder selbst ein Telekommunikationsnetz zu betreiben. Die Kosten eines solchen Projekts würden die Möglichkeiten der Kommune deutlich übersteigen.
Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen in den betroffenen Stadtteilen hinter den Erwartungen zurückblieb. Nach Angaben von Goetel wurden in Röhrenfurth lediglich rund 25 Prozent, in Adelshausen rund 30 Prozent und in Obermelsungen rund 20 Prozent der Haushalte für einen Glasfaseranschluss gewonnen. Diese Quoten lagen deutlich unter den Werten, die für einen wirtschaftlichen Ausbau erforderlich gewesen wären.
Vor diesem Hintergrund muss die Stadt Melsungen den Bürgerinnen und Bürgern mitteilen, dass der Glasfaserausbau in Adelshausen, Obermelsungen und Röhrenfurth auf absehbare Zeit nicht realisiert werden kann. Die Ortsvorsteher und dessen Stellvertreter aus den Stadtteilen sind in der letzten Woche darüber im persönlichen Gespräch informiert worden.
Die Stadt wird sich jedoch weiterhin dafür einsetzen, neue Fördermöglichkeiten zu nutzen und die betroffenen Stadtteile bei künftigen Programmen zu berücksichtigen. Voraussetzung hierfür wäre insbesondere, dass künftig auch Gebiete gefördert werden können, die bereits über HFC-Netze versorgt werden.
Für Günsterode besteht weiterhin die Hoffnung, dass Bund und Land einer Aufnahme in das Förderprogramm zustimmen und der Stadtteil dadurch eine Perspektive für einen zeitnahen Glasfaserausbau erhält.
„Als Bürgermeister bedauere ich die Entwicklung ausdrücklich. Die Stadt Melsungen hat alle verfügbaren Möglichkeiten genutzt und intensive Gespräche mit Unternehmen und Fördermittelgebern geführt. Leider stoßen wir an Grenzen, die wir als Kommune nicht allein überwinden können. Dennoch werden wir uns auch künftig für eine bessere digitale Infrastruktur in allen Stadtteilen einsetzen und hoffen auf neue Fördermöglichkeiten in den kommenden Jahren“, so Bürgermeister Timo Riedemann abschließend.